//Die Natur ist eine Wucht!

Die Natur ist eine Wucht!

Heute Morgen das gestern versäumte Training nachgeholt und mich so gefreut: Beim Laufen über die
Wiesen und Felder, durch den Wald und vorbei am munter plätschernden Bach muss ich an mir halten,
um – trotz schnaufen – nicht laut zu singen. Dank meiner katholischen Sozialisation wäre es heute
morgen ein Kirchenlied gewesen. „Großer Gott wir loben dich“. Alle Strophen. Die Natur in diesen
Tagen und Wochen ist eine Wucht. Es wundert mich nicht, dass im Mai so viele Feiertage platziert
sind, wie sonst in kaum einem Monat. Man muss rausgehen, und das Ganze bewundern. Dank
Lauf geht’s habe ich nun drei bis vier Mal in der Woche meine ganz private Öschprozession, bei der
ich mich in Freude versetzen kann.

War heute am Morgen laufen – da geht es weit besser als am Abend nach einem anstrengenden Tag.
Da laufen die Beine munter fast von alleine vor sich hin. Doch, wenn man Fachleuten glauben darf,
ist es sinnvoll – gerade für uns, die wir für einen Wettkampf trainieren – dann zum Laufen zu gehen,
wenn man vom Tag schon erschöpft ist.
Im jüngsten Geo-Magazin hat sich ein Journalist dem Thema Laufen und Ausdauer auf verschiedenen Wegen genähert.
Seine Erkenntnis, die Sportler und auch Chefs kennen (für mich ist es ein Schinder-Spruch): Es geht immer noch etwas.

Tatsächlich ist es so, dass selbst dann, wenn wir glauben, keinen Schritt mehr gehen zu können, noch eine Menge an
Reserven in uns schlummern. Für den Fall, dass ein Säbelzahntiger um die Ecke kommt, ruft der Körper
vorzeitig „STOPP“. Ein lebensrettender Sprint wäre dann immer noch drin.

Wer also wie wir, am Abend nach einem anstrengenden Tag trainiert, läuft nicht nur die Stresshormone
ab, er lernt auch, bei großer Erschöpfung noch länger durchzuhalten.

Und noch etwas steht in dem Bericht. Das dürfte für Gunter König, der ja auch mittrainiert, ein alter Hut sein.
Der Haller Diplom-Psychologe ermuntert beim Training immer wieder die Mitläufer zum Lächeln. Macht Scherze.
Macht auf das Schöne ringsum aufmerksam. Was der Journalist von Forschern und erfolgreichen
Marathon-Läufern erfahren hat ist: Lächeln. Allein das schon überlistet den Körper, um
länger durchzuhalten. Und: sich ablenken, indem das Schöne rings um einen wahrgenommen wird.
Dann, so deren Erfahrung, hält man länger durch.
Das mag vermutlich auch sonst im Leben gelten, denke ich mir eben.
Wenn was Freude macht, ist’s die halbe Miete. Die Kunst dürfte lediglich sein, die
Aufmerksamkeit auf das Gute und Schöne zu lenken.

Doch nun, genug sinniert. Raus jetzt in den Garten. Dort
ist auch noch einiges zu Entdecken.

2019-06-07T09:53:50+00:00